Serbien

Wie man nach Serbien kommt..
Die Familie L.

Wo soll man suchen nach dieser Familie ? „Tscherwenka“, sagt man mir immer wieder. So steht es in der Geburtsurkunde meiner Großmutter. In den Heimatbüchern und Chroniken finde ich keine Anhaltspunkte. Kirchenbücher sind zum Teil vernichtet. Frage beim Arbeitskreis Donauschwäbischer Familienforscher nach. Werde wohlwollend weitergeleitet. Nun geht alles ganz einfach. Bekomme Hinweise per Telefon und Mail von mir bis dahin völlig unbekannten Menschen, die sich freuen, dass ein junger Mensch sucht..
Also, wo werde ich suchen ? Nun wohl nur noch zum Teil in Tscherwenka. Weggezogen von dort ist die Familie schon ca. 1926/27. Man versprach ihnen im neuen Heimatort: doppelt so viel Land zum gleichen Preis.
Verlockend für eine Familie mit 9 Kindern, davon etliche Söhne. Doch darauf bin ich erst viel später gestoßen: „Sentiwan“, war die Antwort auf die Frage, wo ich denn nun eigentlich suchen soll. Sentiwan?
1. Bac Sentiwan = Sentiwan = Prigrevica = St. Johann an der Schanze Südwestlich & 67 km entfernt vom Geburtsort meiner Großmutter.In der Nähe von Apatin.
Fährt man durch Ungarn und über eben jene Grenze, kommt man auch an Gakova vorbei. Gakova, dem Ort, der später Internierungslager für die „Daheimgebliebenen“ bzw. nach Kriegsende Zurückgekommenen werden sollte.
2. Einfach nur „Schajkasch“ ? Lange Suche nach dem ursprünglichen 
Namen, dann Reihung wie oben: Sajkac(s) = Sajkaczentiwan = 
Schaikasch Sentiwan. Nordöstlich von Novi Sad und 122 km entfernt vom Geburtsort meiner Großmutter.
Die Suche geht weiter. Im Internet wurden Ende 2009 die Todeslisten der Heimatgemeinden aktualisiert. Auf ihnen finde ich zugehörig zum Namen des Bruders meiner Großmutter – gefallen 19.. in – mein Bruder sagt: „Lettland“, meine Oma sagte:“.. im Krieg. Erschossen von einem reichsdeutschen Kameraden beim Waffenputzen auf der Stube.“ – auch den Namen der Heimatgemeinde: Sajkas. Schaikasch – Gemeinde Titel.
Ich rufe meine Mutter an. Erzähle, was ich sowohl in persönlichen Gesprächen mit den alten Donauschwaben als auch im Internet herausgefunden habe. Versuche zu verifizieren. Nicht alles passt. Sie hilft. Erinnert sich nun, Namen von Orten oder Menschen bereits in ihrer Kindheit einmal gehört zu haben. Rufe auch ihre Cousine an. Hin und Her. Puzzlestück für Puzzlestück. „Ja, Schaikasch ist der Ort, an dem ich suchen kann, um etwas zu finden. Schaikasch – Nähe Novi Sad. Grüne Gasse.. Maulbeerbäume als Hinweis. Ein Kirschbaum vielleicht auch noch…Rosenstöcke am Haus.. Wein rankend am Laubengang..“ Zwei alte Fotos und drei „neuere“ . Damals mit Eltern, Geschwistern – später eine serbische Familie – drei Generationen. Ob ich sie noch dort finde, ist eine Frage nach all den Kriegen und Umsiedlungen auch in den 1990-er Jahren. Ob auch der Hof noch steht – eine andere. „Uhrmacherfamilie“, sagt man mir, „nach einer Uhrmacherfamilie“ soll ich suchen. Auf dem Weg des Hofes liegen die Ziegel hochkant gepflastert. Die Häuser des Hofes: Sommerküche, Laubengang links vom Tor. Rechts eine breite Einfahrt und Platz – viel Platz. Ein Gebäude steht quer oder eher parallel zur Straße. Das kann ich auf den Fotos erkennen. „Am Rathaus fragen“, sagt man mir. „Der Bürgermeister spricht deutsch.“ Er kennt die alten Straßennamen – weiß sie wohl auch den neuen sachkundig zuzuordnen. „Vielleicht kennt er auch die L’s. Drei Familien in einem Dorf.“
Batschka – das fruchtbare Land zwischen Donau und Theiß. Die Heimat meiner Großmutter. Ich lege Etappen für die Suche während der Reise fest. 
Ich habe: 3 Fotos und nach all den Telefonaten die Gewissheit, sicher nicht umsonst zu fahren.
Nach mehreren Jahren des Fragens und Suchens, entscheide ich mich nun 2010, nach Serbien zu fahren, um zu schauen, was ist und was nicht. Um zu Suchen nach der Schwester der Großmutter, von welcher seit Mitte der 1990iger Jahre kein Lebenszeichen mehr kam und auch das Rote Kreuz nicht weiterhelfen konnte. Um zu schauen, was meine Großmutter schaute und um zu empfinden, damit ich versuchen konnte sie und die Geschichte besser zu verstehen. Ich fahre nach Serbien, um evtl. noch die Menschen zu finden, die Familienangehörige kannten und ihnen die Jahre nahe – und beistanden.
Ich fahre nach Serbien, um meine Wurzeln zu finden und endlich ruhiger zu werden.
„ Wer das Dorf, aus dem er kommt, nicht kennt, wird das Dorf, das er sucht, nie finden. „ ( chin. Sprichwort)

>> Im Aufbau