Rumänien

Warum leben wir wie früher?
Leben wir wie früher?

„Sicher nicht, denn wir hatten die Freiheit, unter ungezählten Möglichkeiten der Lebensformen zu wählen- was früher wohl kaum jemand konnte.
Wir kamen nach Siebenbürgen, weil uns das der einzige Ort in Europa schien, wo noch eine bäuerliche, traditionelle Landwirtschaft möglich ist.
Was möglich ist, machen wir so, wie es bis vor kurzem noch war: wir heizen und kochen mit dem Holz aus dem Wald, das wir mit unserem Pferd heimbringen.
Mit Ziehsäge und Spaltaxt zerlegt, trocknet es bis es auf Ofengröße gesägt und wartet bis es in den Ofen wandert. Nie hätte ich gedacht, einmal Kühe vor mir her zu treiben, schon gar nicht in Rumänien. Das Leben hält erstaunliche Wege und Möglichkeiten bereit.
Im Winter ist man von 5 Uhr früh bis ca. 8.30 Uhr im Stall beschäftigt: ausmisten,füttern,melken.
Das gleiche nachmittags von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Wir haben vier Milch- und zwei Jungkühe – Kälber je nachdem. Alle vier bis fünf Tage sammelt sich ein Wagen Mist an, den unser Pferd zum Feld zieht.
Heute steht der große Wäschetopf auf dem Herd, ein andermal der Topf mit Milch zum Käsemachen oder Zuckerrübensirup oder Marmelade… Es ist fantastisch , was man alles selbst machen und konservieren kann – auch ohne Gefriertruhe.
Zum ersten Mal können wir mit eigenem Roggen unser Brot backen, Wir leben sehr stark mit dem Wetter und den Jahreszeiten. Das Schöne ist, dass die Arbeiten sich im Jahreslauf ständig ändern. Das Leben ist völlig anders im Frühjahr oder im Herbst, im Sommer z.B. haben wir unsere Sommerküche draußen. Ich koche nur mit den abgerebelten Maisstengeln auf dem alten Eisenofen (Stiefelofen). Am frühen Nachmittag halten wir eine Siesta, weil es zu heiß ist. Abends dann wird es spät, manchmal kommen wir erst bei Mondschein noch mit einer Fuhre Heu heim, was besonders schön ist … Dann fällt man nur noch ins Bett, und früh wieder raus. Im Winter ist eher Schluss, gegen halb sieben abends. Man braucht auch mehr Ruhe. Tagsüber in der Kälte draussen zu sein, zehrt sehr an den Kräften. Holz sägen und hacken, Mist und Gülle fahren alle 4-5 Tage, und der Weg zum Feld ist ziemlich weit. Es geht nur wenn der Boden trocken bzw. gefroren ist, sonst versinkt man im Schlamm.
Es ist ein rundherum ausgefülltes Leben, das auch viele Freiheiten bietet – gerade in der Gestaltung unserer selbstgewählten Aufgaben.
Wir halten diese Art der Landwirtschaft für die Beste für Mensch, Tier und die Umwelt. Der Mensch hat eine mit dem Jahreslauf sich verändernde, niemals langweilige Arbeit, immer nahe am Boden, Wetter. Um Erfolge und Ertrag zu erzielen, ist eine ständige Präsenz in Gedanken und Kräften nötig, nämlich das Richtige zur rechten Zeit zu machen.
Die letzten Jahre sind oft junge Leute bei uns gewesen, um eine Zeit lang ihr Leben mit uns zu teilen, neue Erfahrungen zu machen und alte Kulturtechniken zu erlernen.“ (E.G.)
Diese Beschreibung las ich im Winter 2008 und fand dann den dazugehörigen Hof und die Kontaktdaten in der Zeitschrift ‘Schrot und Korn’: Für 2009 wurden wieder Helfer gesucht und so entschloss ich mich nach kurzen Telefonat mit den suchenden Bauern, meine ‘sieben Sachen’ zu packen und eine Saison lang nach Siebenbürgen zu reisen. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.