Die photographische Camera…

Ein wenig der Ferienzeit habe ich genutzt, um mir verschiedene Dinge zu historischen fotografischen Verfahren in der SLUB anzulesen.
Und da die SLUB wunderbarerweise über all die Bestände aus dem ehemaligen wissenschaftlich – photgrafischen Institut der Königlichen Sächsischen Technischen Hochschule verfügt, ist es auch dem Laien möglich, sich völlig unkompliziert mit ein paar aufgelesenen Literaturhinweisen und bestimmten Schlagwörtern auf die Suche zu begeben.
Ursprünglich suchte ich nur nach Rezepten für Entwicklung und Fixage von Trockenplatten, die ich schon vor längerer Zeit in Anzahl von einem Sammler bekam und natürlich auch verwenden möchte.
Aber – wie das so ist – besteht gerade die Sammlung Krone aus lauter Büchern, mit denen man sich gern die ganze kalte Jahreszeit über gemütlich in einen schön ausgestatteten Wintergarten – ähnlich dem des Archivarius Lindhorst – setzen mag und so nahm ich mir – nachdem ich nun also Rezepte um Rezepte durchgearbeitet und die Verfügbarkeit der benötigten Chemikalien zeitgleich im Internet abgeglichen hatte – noch ein wenig Muse, um im Buch  ’ Photografische Camera und die Momentapparate’ von Eder zu lesen.
Reichlich bebildert ist es mit den verschiedenen damals verfügbaren Kameramodellen, versehen mit Informationen zu Aufbau, Besonderheiten und Objektiven.
Da ich selbst Reisekamera- Modelle besitze, blieb ich bei der allgemeinen Beschreibung der Anforderungen an diese hängen und freute mich, instinktiv so fast alles bei der Auswahl richtig gemacht zu haben.


Ich zitiere einmal völlig frei:
” Eine Reisecamera soll verschiedene Anforderungen erfüllen, u.a. muss die Camera einen genügend langen Auszug haben und zwar doppelt so lang als die längste Seite des größten Plattenformates, für welches die Camera bestimmt ist. Z.B. bei einer Camera für Platten der Größe 13 x 18 cm soll der Auszug mind. 30 .- 40 cm lang sein, um Objektive mit langer Brennweite verwenden zu können. [Ebenso] muss sich die Camera so eng zusammenschieben lassen, dass auch Weitwinkelobjektive von kurzer Brennweite verwendet werden können, d.h. beiläufig auf die Hälfte der längsten Plattenseite, für welche die Camera dient. Eine Camera für das Plattenformat 13 x 18 cm sollte ungefähr auf 9 cm zusammengeschoben werden können. Kostspieligere Cameras haben häufig sowohl Vorder- als auch Rückteil beweglich. (…) Die Camera muss derartig eingerichtet sein, dass man schnell und bequem sowohl Hoch- als auch Querformat aufnehmen kann. (…) Cameras mit oblonger Vorder- und Rückwand lassen sich bequem und schnell zusammenlegen und sind sehr beliebt.“
Empfohlen werden weiterhin Kameras mit der möglichen Schrägstellung von Vorder- und Rückteil, “um die Schärfe zwischen einerseits sehr nahen und anderseits sehr fernen Gegenständen, welche schräg in die Tiefe verlaufen, auszugleichen” und anderseits durch “passende Neigung der Visierscheibe, den aufzunehmenden Gegenstand, der bei horizontaler Camerastellung nicht mehr auf das Bild passt”, doch noch auf die Platte zu bringen.
Eingegangen wird auch auf die verwendbaren Objektive – 1892 waren dies hochmoderne Steinheil, Miethe oder Dallmeyer Objektive, die für die Fotografie auf größere Distanz, namentlich die Landschaftsfotografie, wärmsten anempfohlen wurden. Grundsätzlich konnte man aber jeden Aplanaten oder Antiplaneten zu einem Teleobjektiv umwandeln, was speziell für den wenig betuchten Amateurfotografen empfehlenswert ist und ebenso gute (Ab-)Bilder erzeugt.
Wer sich also ernsthaft, die Zeit nehmen möchte, tief in die historischen Verfahren und die dafür damals übliche und möglich Ausstattung hineinzulesen und sich nicht einfach nur in diversen Foren und Gruppen Quacksalbereien aneignen mag, dem sei empfohlen, sich tatsächlich erst einmal grundsätzlich theoretisch damit auseinanderzusetzen.

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