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Der Junge mit den Seidenstrümpfen

Dieses Foto bekam ich letztens durch Zufall in die Hände, als wir am Stand einer jungen Familie auf dem Dresdner Elbeflohmarkt standen, ich eigentlich  - so dachte ich – mit allen Ständen ‘durch’ war  und mein großer Lieblings-Neffe nur noch zwischen all den ausgebreiteten Spielsachen begeistert stöbern wollte. Ihm die Ruhe lassend, schaute ich derweil, die Augen verdrehend, lieber woanders hin: zum Nachbarstand. Dort lag obiges Foto schlecht versteckt in einem auseinander fallenden Briefumschlag und machte mich natürlich wieder neugierig. Während mein Neffe sich für keines der ausgelegten Spielsachen: ‘Plaste und Elaste aus Schkopau’  begeistern konnte, steckte ich mir nun doch noch das frisch erstandene Foto aus den 1920ern in die Baumwoll-Umhängetasche. Um den Neffen nicht traurig zu sehen, ob seiner leeren Taschen, gab es als Trost für jeden noch ein schönes Softeis – für den Neffen natürlich ein großes..

Der Rucksack

Siamesische Zwillinge, geboren in der recht konservativen Schweiz.
Damit es Niemand merkt und lästert, transportiert man sie immer im Rucksack, mit dem fürsorglich klingenden Hinweis, sie wären müde und hätten schmerzende Füße. Aus dem Rucksack werden sie nur zu Hause oder außerhalb der Stadt gelassen. Jeden Tag fährt der Vater auf seinem Moped mit ihnen hinaus, damit sie über eine Wiese und an der freien, frischen Luft tollen können. Als der Vater starb, vergaß man sie im Rucksack und so steht er immer noch mit den wartenden Kindern in der Ecke eines dunklen Raumes. Ich habe keine Ahnung, was aus ihnen werden soll.
Das Foto stammt von Martin Glaus, geboren 1927 in Thun/ Schweiz. Er war Fotojournalist von 1950 bis 1976 für «Die Woche», «Sie & Er», «Tages-Anzeiger», «Berner Tagblatt» und «Luzerner Tagblatt». Ich fand es per Zufall auf einem tumblr – blog.

Nicht nur Spielerei …

Fotogramme –  oft belächelt, als fotografischer Prozess für Spinner, die einfach nur zu faul sind, eine Kamera in die Hand zu nehmen, um ernsthaft zu fotografieren – sind mehr als  das Auflegen von mehr oder weniger lichtdurchlässigen Gegenständen/Objekten auf lichtempfindliches Material.
Sie verlangen räumliches Vorstellungsvermögen nicht nur der auf bzw. über dem Material liegenden Gegenstände, sondern auch über die Ausdehnungen und Wirkungen des Lichtes und der Schatten.  Die Arbeit an Fotogrammen lädt zum Experimentieren mit Statik und Dynamik einer Bewegung, dem Einfallswinkel der Lichtquellen sowie der Dauer des Lichtes ein und schult so nicht nur das Auge sondern auch die Geduld. Die Ergebnisse stammen vom letzten Dunkelkammer – Wochenende mit dem Lieblingsneffen, der mit Hingabe und Ausdauer die kleinen Nägelchen und verschiedenen Altags – und Gebrauchsgegenstände immer wieder neu anordnete, um Bilder nach seinen Vorstellungen zu schaffen.

Wer es selbst einmal ausprobieren mag, braucht nicht unbedingt eine aufwendig ausgestattete Dunkelkammer, aber evtl. den Austausch mit ebenfalls Neugierigen und merkt sich deshalb gern den Kurs zur analogen Fotografie im Rahmen der 22. Sommerakademie Riesa.

 

Gehfilmaufnahmen

Bereits im alten Blog bei tumblr hatte ich mich 2009 mit der obigen Aufnahme auseinandergesetzt und nach einiger Recherche war ich in der Bibliothek in einem Buch von Timm Starl zur Bildbestimmung fündig geworden.
Der  Abzug, der mehrere Aufnahmen zeigt, wird landläufig als Gehfilmaufnahme bezeichnet und kam nach der Jahrhundertwende in Mode. Straßenfotografen fotografierten an touristisch belebten und beliebten Orten die Menschen quasi im Vorübergehen – meist ohne das diese es bemerkten.
Im Anschluß an die Aufnahme wurde dann den überraschten Passanten eine Karte mit Ort und Zeit der Abholung übergeben, so dass diese entsprechend ihre Schnappschüsse als Urlaubserinnerungen abholen und – da sie auf Postkarten abgezogen waren – auch gleich an die Lieben daheim versenden konnten.


Im Laufe der letzten Jahre habe ich aus verschiedenen Haushaltsauflösungen einige dieser  seltenen Aufnahmen, die zwischen dem I. und II. Weltkrieg entstanden,  meiner Sammlung zufügen können und möchte sie hier gern mit zeigen. Aus verständlichen Gründen sind nicht alle vollständig erhalten -  waren sie doch aufgrund der sich in Bewegung befindlichen Personen meist unscharf und verwackelt –  doch die gelungensten wurden ausgeschnitten und gern den Familienalben beigefügt, so dass sie nun auch hier noch als Kuriosität dokumentiert werden können.

World Wet Plate Day 2014

Seit 2005 findet jährlich zu Ehren von Frederick Scott Archer der World Wet Plate Day statt. An diesem Tag werden alle (Hobby-) Fotografen, die sich wieder mit dieser alten fotografischen Technik handwerklich und künstlerisch auseinandersetzen aufgefordert, sich mit einem eigens an diesem Tag geschaffenen Bild zu beteiligen und zu zeigen, wie diese Technik heute immer noch funktioniert und mit ihren wundervollen, einzigartigen Ergebnissen verzaubert. In diesem Jahr fällt der WWPD auf den 03.05. und damit auch auf den ersten Tag des  inzwischen – Dank des Engagements von Alex Timmermans – zum dritten Mal stattfindenden European Collodion Weekend.
Da ich dieses Jahr meine Teilnahme leider kurzfristig absagen musste, habe ich überlegt wenigsten standesgemäß und aktuell ein  Bild auf Glasplatte aufzunehmen.
Ich habe mich aber  - nicht nur weil die Dunkelkammer im neuen Heim noch nicht ganz fertig ist, dagegen entschieden und stelle deshalb einen eher seltenen Flohmarktfund – eine Ferrotypie – vor.
Sie wurde 1904 in Maria Zell als Andenken an den gemeinsam verbrachten Urlaub beim örtlichen Fotografen aufgenommen, der gleich auch  - ganz üblich für die Zeit – die nötige Ausstattung, sprich: Tracht und Bergidyll mit bereitstellte.

Ferrotypien werden im Unterschied zu Ambrotypien auf einer lackierten Eisen – Blechplatten aufgenommen und stellten eine preiswerte und weniger zerbrechliche Alternative dar. Erfunden wurden sie kurz nach der Einführung der Nassplatten von F.S. Archer 1856 durch Hamilton.  Man verwendet zur Herstellung der Kollodionlösung ein leicht abgewandeltes Rezept, auch der Entwickler wurde entsprechend an die Erfordernisse angepasst.
Bis in die 1930 Jahre waren sie sehr beliebt – erst recht als die ersten Automaten, die sog. Bosco – Automaten als Vorläufer der heutigen Foto-Automaten in Betrieb genommen wurden. Sie galten als robust, preiswert und wurden gern als Ersatz zur Carte de visite verwendet.

Wer sich in der heutigen Zeit für Aufnahmen dieser Art interessiert, sei hiermit nebenbei nicht nur auf meine Arbeiten hingewiesen, sondern auch auf die des Langebrücker Fotografen Karsten Prausse, welcher mit historischer Ausrüstung und sehr viel handwerklichem Können eben solche Ferrotypien liebevoll fertigt.

Kontaktkopiert: Trockenplatten im Salzdruckverfahren

Schon vor einiger Zeit bekam ich von einem Sammler diverse Glasnegative im Format 13 x 18, die ordentlich beschriftet in ihren gut erhaltenen Pergaminhüllen mit dem Aufdruck von ‘Carl Neithold’ (Anm.:  Ce – Nei ) lagerten.  Die Negative stammen aus der Zeit von 1902 – 22 und zeigen Festlichkeiten, Zusammenkünfte und Gesellschaften.

Verwendet hat man Plattensorten von Hauff und Agfa, aber auch Bromsilber – Gelatine – Trockenplatten, die nach Rezepten von J.B. Obernetter bzw. H.W. Vogel hergestellt und von ‘Perutz ‘ vertrieben wurden. Diese Trockenplatten waren mit dem Zusatz von Eosin – einem Farbstoff – versehen und ermöglichten die tonwertrichtige Wiedergabe der Graustufen. Die Entwicklung vom pan – zum orthochromatischen Träger war somit eingeleitet. Entwickelt wurden die Platten mit Adurol, Rodinal bzw. einem Metol – Adurol Gemisch – seit Neuestem wieder bei Moersch Fotochemie bzw. Spürsinn erhältlich.

Sehr praktisch für mich war nebenbei der Umstand, dass die Pergaminhüllen nicht nur  - wie sonst meist – lediglich mit Ort und Jahr , sondern hilfreich auch mit der Uhrzeit der Aufnahme, Notizen zu vorhandenen Lichtverhältnissen, der Belichtungsdauer, dem verwendeten Objektiv und der Blende sowie mit Plattensorte und Hervorrufer, sprich: Entwickler und dem Mischungsverhältnis versehen sind, so dass man durchaus nun relativ einfach auch die eigenen Trockenplatten mit Hilfe dieser Werte verwenden kann, ohne Material und Zeit in Experimente und Näherungsversuche verschwenden zu müssen.

Aber bevor es soweit ist, habe ich einige der Platten mit dem klassischen 1834er Salzdruckverfahren des William Henry Fox Talbot auf extra gehärtetem Aquarellpapier im historischen Kontaktkopierrahmen vom Flohmarkt belichtet und im Anschluß goldgetont.

Hier die Ergebnisse von sonnigen Tagen auf dem Südseiten – Balkon bzw. Abenden in der Dunkelkammer vor dem Gesichtsbräuner sitzend :-) :

… der Fluss des Lebens

” Every drama in your outer life is a reflection of a drama in your inner life. Every person you are interacting with in your outer life symbolizes an interaction of energy that is going on within you. Every person and event offers you an opportunity to clean up your energy, to evolve yourself, and to move higher. Another person cannot hurt you unless you are hurting yourself.”

Und weil man manchmal eine ganze Weile braucht, um zu verstehen, dass letztlich alles zum Fluss des Lebens gehört und das Meiste – einfach ausgedrückt – schlicht und ergreifend konditionierte Befindlichkeiten sind, melde ich mich  endlich  mit sonnigem Gemüt, guter Laune und Elan zurück.

…der Hansi bei Jurig’s – über die Entstehung der Rüger – Schokolade


… der Vollständigkeit halber, bringe ich heute ein bereits schon einmal vorgestelltes Foto, dessen Geschichte damals wie folgt eingeleitet wurde:
“Aus einer Zeit, in der Bäckereien Montags noch geschlossen hatten: Feinbäckerei Arthur Jurig – Dresden um 1930-35.
Dieses Foto erhielt ich von einem älteren Sammler für ein Foto, welches ein sächsisches Infanterieregiment zeigte. Da er selber mit solch zivilen Bildern nichts anfangen kann, ergab sich eine schöne Gelegenheit zum Tausch.
Interessiert haben mich die rechts & links vom Geschäft angebrachten Hansi – Werbeschilder, von denen ich zwar schon einmal gehört hatte, aber nicht mehr wußte, als dass es um Schokolade geht.”
Wie ich nun endlich über ein altes Adressbuch von 1928 aus der SLUB herausfinden konnte, befand sich die Feinbäckerei Jurig  damals auf der Großenhainer Straße 177.
Die dargestellten Werbeschilder  mit dem Hansi – Maskottchen selbst wurden ab 1915 verwendet.  Sie werben für die Schokolade, die Otto Rüger seit 1858 in der ehemaligen Kakao-Mühle des Fabrikbesitzers Ferdinand Lobeck im Lockwitzgrund bei Sobrigau herstellte.
Nach eingehender Lektüre der Bücher von Conrad Alfred Rüger, welche er im Selbstverlag in Stuttgart von 1970 – 73 quasi als zusammengefasste Familienchronik herausbrachte, kann man die Geschichte des wohl berühmtesten Schokoladenfabrikanten als eines der wunderbaren Beispiele für die Epoche des Aufbruchs und der Gründerzeit im 19. Jahrhundert sehen.
1813, an einem Sonnabends früh, wurde er um 5 Uhr in der Dresdner Neustadt: Am Kohlenmarkt 19, geboren. Nach dem Tod des Vaters vom Großvater erzogen und zum Kaufmann bestimmt, war er von 1845 – 51 kaufmännischer Lehrling und Gehilfe in der Materialwarenhandlung C.A.B. Schmidt am Altmarkt. Danach wechselte er zur Fa. Uhlrich & Co, einer sog. Großhandlung in Rosinen aus der Levante. bzw. ein sehr bekannter Kolonialwarenladen mit Vertrieb im großen Stil.
Im Alter von 54 Jahren machte sich Otto Rüger  selbständig und pachtete vom 1. Juli 1858 ab die kleine, damals nur mit Wasserkraft arbeitende ‘Chocoladen- und Kakaofabrik’ des Ferdinand Lobeck im Lockwitzgrunde in Gemeinschaft mit dem Sohne Lobecks, Paul Lobeck. Das von Rüger selbst eingebrachte Kapital belief sich auf 5000 Taler von insgesamt 15 Tsd. Talern. Lobeck , der Vater, welcher eine Zuckerfabrik erworben hatte, verfiel bald darauf in Konkurs. Rüger löste sein Gesellschaftsverhältnis mit Paul Lobeck und kaufte die Chocoladenfabrik zu Michaelis 1859.
„Otto ist gestern glücklich in seine liebe Schokoladenfabrik eingezogen; ich habe ihm vorderhand einige Möbel von mir gegeben, weil er sein Stübchen nicht eher beziehen kann, (…); so gab ich ihm nur jetzt einen Kleiderschrank, Kommode und Bettstelle mit.“  (Wilhelmine Rüger)
1860 übernahm Rüger nach vollständigem Ausscheiden Paul Lobeck’s als Alleininhaber des Unternehmens und firmiert von da ab unter dem Namen „Otto Rüger“.
Er fing mit 5  Arbeitskräften an und konzentrierte sich zunächst auf die  Herstellung von Schokolade im kleingewerblichen  Betrieb. Später jedoch bedurfte es zur Erhaltung der Fabrik harter Arbeit, weil Lobeck der Ältere wiederum eine Chocoladenfabrik errichtete und dadurch einen scharfen Wettbewerb hervorgerufen hatte. Deshalb nahm Otto Rüger die Herstellung von Zuckerwaren, englischen Bisquits und Pfefferkuchen mit auf und  errichtete 1861 in Dresden, Am Altmarkt 21 – Ecke Schreibergasse, eine Verkaufsstelle.
Der Verbrauch der Fabrikerzeugnisse war damals noch äußerst beschränkt. Das Geschäft kam deshalb nicht recht vorwärts. Die Kriege von 1866 und 1879 störten es zwar, indessen nur vorübergehend.
„ In unmittelbarer Nähe ist’s sehr ruhig und friedlich, aber nicht weit davon sind massenhaft preußische Soldaten in den Dörfern einquartiert. Lockwitz blieb noch sehr verschont von fremden Militärs; nur einzelne Husaren und Ulanen sahen wir.“
Vom Kriegsdienst 1870/71 konnte sich Rüger loskaufen. „ Unser Otto macht trotz des Krieges (…) ganz gute Geschäfte. Jetzt richtet er sich in Dresden ein zweites Geschäftslokal (Anm.: Waisenhausstraße/Seestraße) ein.  Sein Gewölbe wollte in der Weihnachtszeit immer nicht ausreichen.“
Nach Beendigung des letzten Krieges wuchs der Volkswohlstand, so dass größere  Umsätze zu erzielen waren.
” Nun hat er jetzt 4 Pferde im Stall, (…) weil er sehr oft jetzt 2 Lastwagen zur Stadt schicken muss. (…) In diesem Jahr hat er schon mehrere hundert – über 3000 Collis – fortgeschickt.“ 
(Anm.:Colli -> Einzelstück, Verpackungseinheit einer Warensendung)
Lähmend wirkten auf die Chocoladen – Industrie hauptsächlich die zoll-politischen Verhältnisse aus. Besonders verhängnisvoll wirkte der Handelsvertrag mit Österreich von 1868, welcher die außerdeutschen Fabrikanten fertige Fabrikate unter billigerem Zoll einführen ließ, als die deutschen das Rohmaterial.
Der Kampf gegen diese  Zollverhältnisse, wie die in deren Folge entstandenen Fabrikationsmißbräuche, führte 1877 zur Gründung des Verbandes deutscher Chocoladenfabrikanten. Otto Rüger übernahm 1881 dessen Vorsitz bis 1897.    ” Durch Erlangung der Rückzollvergütung,  verschafft der Verband dem deutschen Fabrikate die Concurrenzfähigkeit auf fremden Markte.”
Ab 1876 – 1897 begann der Ausbau der Fabrik.  Rüger legte eine Exportfabrik an, welche unter Aufsicht von Zollbeamten zollfreies Rohmaterial für die Ausfuhr nach dem Auslande vorbereitete. Für Österreich, wohin er hauptsächlich seine Waren vertrieb, erwarb er etwa 1880 eine Verkaufsstelle in Wien am Stephansplatz und 1895 den Grund und Boden für eine Zweigfabrik in Bodenbach, welche er vom Herbste 1896 ab betrieb.
Seit dem Eintritt der sog. Gründerjahre, nach 1870, ” war das Geschäft durch vollständige Umgestaltung der Lohnverhältnisse doppelt schwierig geworden.”
Im Jahr 1875 begann dann endlich ein finanzieller Erfolg, der jedoch durch ungünstigen Ankauf von Rohmaterialien wieder geschmälert wurde. Erst mit Beginn des Jahres 1880 trat ein nachhaltiger Aufschwung ein. Endlich gelang es 1883, angrenzendes Land zu erwerben. Sofort wurde ein Neubau in Angriff genommen. Jährlich folgten weitere Bauten, sowie die Aufstellung neuer Maschinen.  Am 19. Juni 1883 erhielt die Fabrik Besuch des Königs, worüber der ‘Dresdner Anzeiger’ ausführlich berichtete.
” Nachdem sich Se. Majestät hochbefriedigt über das Gesehene ausgesprochen, verließ Höchstderselbe nach halbstündiger Anwesenheit das Rüger’sche Etablissement, vor welchem Gemeindevertretung und Schule von Sobrigau neben dem gesamten Fabrikpersonal Aufstellung genommen hatten. Unter strömendem Regen setzte Se. Majestät die Rückfahrt nach Pillnitz fort.“

Otto Rüger bekam am 14. April 1890 den Titel: ‘ königlich sächsischer Commerzienrath’.
Nach und nach waren nun die 4 Söhne in das Geschäft eingetreten, was eine angemessene Arbeitsteilung in der Leitung beider Betriebe ermöglichte.
Am 1 . Juli 1883,  zur Feier des 25 jährigen Geschäftsjubeleums, errichtete Rüger vorbildlicher weise eine Betriebsbeamtenkasse mit 2000 Mark Einlage und zum 30 Jubeleum eine Alters- und Invalidenstiftung mit 18 000 Mark Grundkapital.

Wer Weiteres über die Rüger’sche Sippe nachlesen möchte, schaut in die u.g. Bücher, die allesamt in der SLUB verfügbar sind.

Nun noch der Nachtrag zum Hansi Werbeschild:

- Der berühmte Hansi -
‘ Entworfen wurde der Hans vom Kunstmaler Otto Zieger sen. aus Dresden Plauen, Kaitzer Straße, der das Bild etwas 1895 entwarf. Er hatte sein 4. Kind, Paul Zieger, in dieser typischen, oft variierten Hansi- Aufmachung gezeichnet. Gemäß dem Umstande, das in der Familie Zieger ein Onkel namens Paul Zieger existierte, wurde Paul Zieger jun. zur besseren Unterscheidung mit dem Vornamen Hans belegt.“
Paul – genannt Hans Zieger, geboren 1888 in Dresden Plauen, wurde Dekorateur, er starb unverheiratet in der Schweiz. Das Hansi Bild existiert ca. seit 1904 offiziell. „Jedem ist das Hansi Bild in guter Erinnerung. Diese Vignette war eine äußerst günstige Reklame, um welche die Firma Rüger viel beneidet wurde.“ ‘

Quellen:
Conrad Alfred Rüger:
- Wilhelmine Rüger, geb. Leonhardi – Leben und Schicksal einer Dresdnerin (1804 – 1875), Stuttgart 1973
- Otto Rüger – Ein Leben für die Schokoladenindustrie, Stuttgart 1972
- Die Rüger’sche Sippe, Stuttgart 1970

Agfa Color Fotolabor Leipzig

Dia- Positiv, Ende 1950.
Dieses Dia wurde zusammen mit sieben weiteren  an das Agfa-Color Labor in Leipzig mit der Bitte zur  Herstellung von Umkehr-Papierbildern gesandt. Mit dem Briefkopf der HO – Industriewaren Leipzig – Stadt kam ein Schreiben mit folgendem Inhalt und dem handschriftlichen Vermerk in der oberen Ecke: ’8 dia zurück’  an den Absender:
“Werter Kunde !
Wir danken Ihnen für die Übermittlung Ihres Auftrages. Leider müssen wir Ihnen diesen wieder zurückgeben, da aus Qualitätsgründen die Produktion zeitweise eingestellt werden muß. Eine Arbeitsgemeinschaft ist bestrebt, die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Sobald ein entsprechendes Ergebnis vorliegt, werden wir Sie anschreiben und um ein erneutes Übersenden Ihres Auftrages bitten.
Bitte haben Sie für diese Maßnahme, die auch im Interesse unserer Kunden erfolgt, Verständnis und sehen Sie von Anfragen ab.
Diese Maßnahme betrifft lediglich die Papierbilder vom Umkehrfilm. Alle anderen Arbeiten werden nach wie vor von uns durchgeführt.
Hochachtungsvoll
Agfa-Color Fotolabor Leipzig . Neumann / Petzold “
Nun, entweder hat die Arbeitsgemeinschaft das Problem nicht in den Griff bekommen oder aber die Dame hat die Dias kein zweites Mal nach Leipzig geschickt,  nachdem 1964 Agfa in Orwo umbenannt wurde. Alle acht Dias fand ich noch ordentlich eingepackt in der Kiste beim ortsansässigen Lieblingströdler wieder, der ganz erstaunt war, dass es diesmal etwas Buntes war, für das ich mich interessierte.

Für Willy

Manchmal bleibe ich wie angewurzelt stehen und muß mir die Augen reiben, weil ich das, was ich sehe nicht wirklich glauben oder fassen kann.  Als ich heute völlig veträumert vom Training kam, mir meinen Sportbeutel ins Genick schwingen und  zum Fahrrad  schlumpfen wollte, stockte mir auf halbem Wege der Schritt: rechts neben meinem Blickfeld stand ein verwahrlostes Rad, wie man es oft unter den Hintern von hippen Studenten sieht. Schick im Retrostyle und statt des serienmäßigen Schutzbleches war – statt serienmäßig Nichts  bei solchen Rädern – das Foto der lächelnden jungen Frau mit rostigem Draht am Rahmen befestigt.

Mit dem ersten Gedanken, dem: “Das kann doch jetzt nicht wahr sein…?” fitzelte ich mit kalten aber flinken Händen sowohl den Draht als auch das vom Nieselregen ganz durchnässte Bild vom Rad ab. Das Foto war aus einem Album herausgerissen worden und auf der Rückseite mit Füllfederhalter  - kaum noch lesbar, aber sorgsam beschriftet: ” Dir meinem lieben Willy zum bleibenden Gedenken ! von Deiner Liesel “


Ich habe das Bild trocknen lassen, etwas gereinigt und mit einem Bildbearbeitungsprogramm ein wenig aufgeräumt. Die Liesel auf dem Bild und auch der Willy haben es verdient.