Atelier Rosbaud Budapest

Budapest 23. April 1935 – handschriftlich auf der Rückseite vermerkt -
Das Foto entstand in einem Fotoatelier unweit der Donau auf einem – zu damaligen Zeiten – Prachtboulevard gelegen. Gegenüber ein schöner Park, in welchem man im Anschluß an den Besuch im Atelier spazieren gehen konnte, um auf den Abzug zu warten, der als carte postale überreicht wurde. Der Name des Ateliers: Rosbaud – ansässig in Budapest I, Krisztina korut 135.
Vor diesem schönen Paar möchte man sich niederknien…

Viele verschied. Photographien

Das neue Jahr begann mit vielen neuen alten Fotos, die bei mir unter dem Weihnachtsbaum lagen – geschenkt von Sammlerfreunden, getauscht mit Fotofreaks, abgeholt beim Trödler gegen eine schöne Flasche Wein und ein angenehmes Gespräch oder einfach noch kurz vor knapp bei ebay ersteigert.
Man darf gespannt sein auf all die größeren oder kleineren Geschichten, die es auch dieses Jahr  - diesmal eingebettet hier in meine Website –  im Blog zu lesen geben wird. Einige alte Geschichten konnte ich Dank der Rückmeldungen bzw. weiterführender Recherche vervollständigen, andere wenige Geschichten warten weiter auf ein Ende – neue werden geschrieben…
Aber alle erzählen sie von einer früheren Zeit und sind auch heute noch für uns wichtige Zeitzeugen, die uns gemahnen und bestenfalls – wünschenswerter  Weise  - veranlassen, einmal ganz in Ruhe und voller Andacht, die alten Alben der Urgroß- oder Großeltern aus der Schublade zu holen, um sie voller Muse und mit vorerst evtl. kleinen, kurzen Geschichten im Kopf neu zu betrachten.

„Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor.“

“ Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen die Erinnerung. ” (Aristoteles)

Das Jahr neigt sich nun langsam dem Ende zu und es ist wieder Zeit für einen kleinen kurzen und knappen Jahresrückblick:
Aufgeregt und freudig begann das Jahr 2013 mit den Vorbereitungen für einen ersten Wet plate Workshop durch Piotr Pietryga hier im Dresdner Kulturforum ‘riesa efau’ und einer begleitenden Gruppenausstellung ‘Die Gestaltung der Zeit’ in der Ararat Galerie.  Beides sehr gut besuchte bzw. frequentierte Ereignisse inkl. Warteschlange. Ein Dank geht an alle Beteiligten und Besucher !
Weiter ging es schnurstracks mit den üblichen Vorführungen und Präsentationen, die bereits aus 2012 bekannt waren und sich nun langsam zu einer Regelmäßigkeit entwickelten. Hinzu kamen  verschiedene Veranstaltungen, wie z.B. das von Alex Timmermans organisierte ECW – European Collodion Weekend, welches sich für mich sehr prägend und großartig gestaltete. Nicht nur der Austausch mit anderen Kollodionisten, sondern auch die daraus entstandenen langfristigen und befruchtenden Kontakte, machten es mir in diesem Jahr sehr viel leichter, handwerklich weiterzukommen – kurz genannt sei hier v.a.  Borut Peterlin.  Auch die Fahrten ins Umland und das Reisekamera Projekt hier in Dresden ließen mich wachsen.


Nachdem ich mich vom langjährig geführten tumblr Blog und dem Versuch ihn auf blogger wieder aufleben zu lassen verabschiedet hatte, die alte Website nicht wirklich funktionierte, kam meiner Ratlosigkeit zur zukünftigen zufriedenstellenden Geschichten – und Bildpräsentation wunderbarerweise Herr Marcus Pink zu Hilfe und gestaltete in wochenlanger Freizeitarbeit diese Website inkl. Blog zur zusammenfassenden Information so fast unauffällig nebenbei ->  Dafür ihm einen herzlichen Dank nebst  Blumengruß !


Sehr gefreut habe ich mich über das wieder aufleben lassen der Werkstattabende in der FarbDuka bei Foto Görner mit der wirklich kompetenten, geduldigen und souveränen Unterstützung durch ‘Hilde’. Ohne sie wäre kein einziger Color-Abzug auf abgelaufenem Kodak Endura Papier mit diesem wunderschönen retrostylischen Elfenbein-Farbton entstanden, die ihr übrigens unter dem Schlagwort ‘Eigene Arbeiten’ findet.
Mit großen Schritten ging es weiter durch  volle Wochenenden, die behangen mit Stativ, Fotoapparat und der Rollfilmtasche mit aufgeschlossenen Freunden, zu Freunden gewordenen Fremden und Bekannten verbracht wurden. Erstmals dieses Jahr habe ich mich mit einer vollständigen Dunkelkammerausrüstung und Dunkelzelt ins Freie und auf Reisen gewagt und bin nicht nur schlauer und geduldiger sondern auch reicher an Freunden geworden.

Das nicht alles geblieben und geworden ist, wie man es erhoffte, möchte ich natürlich nicht unerwähnt lassen – im Leben gibt es immer wieder Dinge, die anders kommen als man denkt. Nichtsdestotrotz bin ich mit ihnen gewachsen.

Im August habe ich nun endlich mein Studium in Pillnitz anfangen können und es hat mich eine Weile gekostet, die Prioritäten zu verlagern: weg vom Fotografen-Hobby hin zur konsequenten ‘Lernleistungserbringung’, die ein Studium erfordert.
Zum Jahresende haben wir es uns dann  aber nicht nehmen lassen, wieder am liebevoll gestalteten Weihnachtsmarkt in Gostewitz teilzunehmen, um diesmal bei etwas strengeren Temperaturen im Freien mit dem nassen Kollodiumverfahren zu fotografieren und gleichzeitig zu schauen, was ist machbar und was nicht. Und: Es hat geklappt :-)


Damit verabschiede ich mich sehr zuversichtlich ins neue Jahr 2014 und bedanke mich bei allen Freunden, Unterstützern, Förderern und natürlich der wundervollen Frau Schnatz für die Begleitung auf den Veranstaltungen und Märkten. Besonders Dank sagen möchte ich ebenfalls Frau Anna-Maria Schiertz für ihre liebe und behutsame fotografische Begleitung, dem Langebrücker Kollodionisten Karsten Prausse für all seine Unterstützung, Frau Anja Schneider für die Zusammenarbeit in ihrem Atelier, der wundervollen Nairon für das geduldige und phantasievolle Modeln, der lustigen Frau Schoppa für ihre Begeisterung und dem Fotografen Gerhard Schlechte für sein Mentoring  und den wieder einmal wunderbaren ‘making of’s ‘ aus Gostewitz mit denen das Jahr nun schließt.


Nicht vergessen möchte ich all die Menschen, die mich durch ihre Kritik  und Anregungen weitergebracht haben: mit dem Entwickeln neuer Ideen, dem ‘Umwege-Denken’ und effektiver gestalten von Prozessen und Abläufen.
Und wer nun wissen mag, wie es im neuen Jahr 2014 aussieht, schaut unter ‘Angebote’ bzw. im Kursheft des ‘riesa efau’, wartet auf die Veröffentlichung der Daten zur Sommerakademie Riesa oder schaut beim Gostewitzer Kunst- und Handwerkermarkt zu Pfingsten vorbei.

Vom Watzkes nach Übigau

Die folgenden beiden Bilder fand ich gestern beim Trödeln in der Neustadt. Sie stammen aus einem schicken kleinen Album einer Dresdner Familie und zeigen Szenen eines Ausfluges von 1928/29 entlang des Pieschener Elbufer’s Richtung Übigau zur – gerade im Bau befindlichen – Flügelwegbrücke.


Bereits mit kurzem Blick erkennt man:  Die junge Dame steht elbseitig vor dem Ballhaus ‘Watzke’.
Als ‘Watzkes Bier – und Gartenrestaurant’ wurde es vom Branntweinbrenner Karl Watzke noch als kleine Schankwirtschaft 1838 gegründet. Schon 1898 war der Andrang so groß, das man einen Neubau im sog. neo-empire Stil errichtete und dem Ganzen den klangvollen Namen ‘Watzke’s Concert- und Balletablissement’ gab.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Haus noch weitere fünf Jahre als Restaurant in Privatbesitz geführt. Aufgrund wettbewerbsverzerrender Subventionen, die die staatlich geführten HO Gaststätten erhielten, rentierte sich der Betrieb der Gaststätte nicht auf Dauer, so dass sie schließen mußte.  Bis zur Wende diente das Gebäude  als Lager für Konsumgüter – wie so oft.

Vor der Konstruktion der Flügelwegbrücke ->  Dresden’s 7. Brücke, welche 1929 – 30 errichtet wurde. Sie galt als ‘wegweisendes Beispiel des modernen Brückbaus’. 

Zitat aus Übigau online: “Mit ihrer 115 m weit gespannten Stromöffnung und einer Gesamtbaulänge von 308 Metern galt sie seinerzeit als längste genietete Blechträgerbrücke Europas. Sie ruht nur auf dem Neustädter Uferpfeiler fest, auf der Altstädter Seite ist sie auf Rollenlager verschiebbar. Der 285 Meter lange stählerne Unterbau verlängert sich um 43 Millimeter, wenn sich die Temperatur um 10°C erhöht. Die Brücke ist 17 Meter breit und mit 14,7 Metern Höhe über Null-Wasser sehr hoch. Es war bereits beim Brückenbau berücksichtigt, eine zukünftige Schnellbahn im Brückenkörper unterbringen zu können! “

Hydrochinon im Entwickler

Gestern hatte ich mir ein paar Stunden Zeit genommen, um mich mental noch einmal im Dunklen zu entspannen, bevor es am Montag wieder  unfreundlich wird  voller Elan mit dem Studium weitergeht.
Eigentlich hatte ich vor, zuerst ein paar liegengebliebene Rollfilme zu entwickeln, aber: der Blick in die Flasche sagte: nur noch ‘sto gram’ reichen da nicht aus…
Wirklich Lust hatte ich keine, in der Kürze der Zeit Neues anzurühren und da bei der Lith-Entwicklung eh noch ein paar Bonuspunkte offen waren, ich sowieso einen Stapel abgelaufenes Papier dabei hatte, entschloss ich mich, die Stunden anderweitig sinnvoll auszufüllen. Mit Ultrabrom (noch mit DM Preis und  aus den schönen 1980ern) und einer Packung classic paper – Polywarmtone ( das eine ein PE, das andere ein Barytpapier)breitete ich mich in der Dunkelkammer aus und mischte diesmal ganz entspannt 20 + 20 + 800 ml Chemie miteinander.
Mit der festgestellten Belichtungszeit, eingestelltem Gradationsfilter und der Blende +2  sieht man folgende Ergebnisse auf Ultrabrom, die freudigerweise auch alle im angegebenen ”Moersch’en  Entwicklungszeitenrahmen” entstanden.

Die Fotos hatte ich bereits im Frühjahr mit meiner Praktica MTL 50 auf dem – hinter unserem neuen Heim gelegenen – Bahnhof gemacht, als ich mit Hund und Freundin die Gegend nach Eventualitäten erkundete. Neben diesem Bahnhofsgelände kann man einige alte Industriebrachen, stillgelegte Grünstreifen und wenige  schöne historische Gebäude im Karree entdecken.
Und,  als ich mir heute so die Ergebnisse in der Entwicklerschale anschaute, war ich doch ganz zufrieden, hier gelandet zu sein. Es gibt noch einiges zu entdecken.

Die photographische Camera…

Ein wenig der Ferienzeit habe ich genutzt, um mir verschiedene Dinge zu historischen fotografischen Verfahren in der SLUB anzulesen.
Und da die SLUB wunderbarerweise über all die Bestände aus dem ehemaligen wissenschaftlich – photgrafischen Institut der Königlichen Sächsischen Technischen Hochschule verfügt, ist es auch dem Laien möglich, sich völlig unkompliziert mit ein paar aufgelesenen Literaturhinweisen und bestimmten Schlagwörtern auf die Suche zu begeben.
Ursprünglich suchte ich nur nach Rezepten für Entwicklung und Fixage von Trockenplatten, die ich schon vor längerer Zeit in Anzahl von einem Sammler bekam und natürlich auch verwenden möchte.
Aber – wie das so ist – besteht gerade die Sammlung Krone aus lauter Büchern, mit denen man sich gern die ganze kalte Jahreszeit über gemütlich in einen schön ausgestatteten Wintergarten – ähnlich dem des Archivarius Lindhorst – setzen mag und so nahm ich mir – nachdem ich nun also Rezepte um Rezepte durchgearbeitet und die Verfügbarkeit der benötigten Chemikalien zeitgleich im Internet abgeglichen hatte – noch ein wenig Muse, um im Buch  ’ Photografische Camera und die Momentapparate’ von Eder zu lesen.
Reichlich bebildert ist es mit den verschiedenen damals verfügbaren Kameramodellen, versehen mit Informationen zu Aufbau, Besonderheiten und Objektiven.
Da ich selbst Reisekamera- Modelle besitze, blieb ich bei der allgemeinen Beschreibung der Anforderungen an diese hängen und freute mich, instinktiv so fast alles bei der Auswahl richtig gemacht zu haben.


Ich zitiere einmal völlig frei:
” Eine Reisecamera soll verschiedene Anforderungen erfüllen, u.a. muss die Camera einen genügend langen Auszug haben und zwar doppelt so lang als die längste Seite des größten Plattenformates, für welches die Camera bestimmt ist. Z.B. bei einer Camera für Platten der Größe 13 x 18 cm soll der Auszug mind. 30 .- 40 cm lang sein, um Objektive mit langer Brennweite verwenden zu können. [Ebenso] muss sich die Camera so eng zusammenschieben lassen, dass auch Weitwinkelobjektive von kurzer Brennweite verwendet werden können, d.h. beiläufig auf die Hälfte der längsten Plattenseite, für welche die Camera dient. Eine Camera für das Plattenformat 13 x 18 cm sollte ungefähr auf 9 cm zusammengeschoben werden können. Kostspieligere Cameras haben häufig sowohl Vorder- als auch Rückteil beweglich. (…) Die Camera muss derartig eingerichtet sein, dass man schnell und bequem sowohl Hoch- als auch Querformat aufnehmen kann. (…) Cameras mit oblonger Vorder- und Rückwand lassen sich bequem und schnell zusammenlegen und sind sehr beliebt.“
Empfohlen werden weiterhin Kameras mit der möglichen Schrägstellung von Vorder- und Rückteil, “um die Schärfe zwischen einerseits sehr nahen und anderseits sehr fernen Gegenständen, welche schräg in die Tiefe verlaufen, auszugleichen” und anderseits durch “passende Neigung der Visierscheibe, den aufzunehmenden Gegenstand, der bei horizontaler Camerastellung nicht mehr auf das Bild passt”, doch noch auf die Platte zu bringen.
Eingegangen wird auch auf die verwendbaren Objektive – 1892 waren dies hochmoderne Steinheil, Miethe oder Dallmeyer Objektive, die für die Fotografie auf größere Distanz, namentlich die Landschaftsfotografie, wärmsten anempfohlen wurden. Grundsätzlich konnte man aber jeden Aplanaten oder Antiplaneten zu einem Teleobjektiv umwandeln, was speziell für den wenig betuchten Amateurfotografen empfehlenswert ist und ebenso gute (Ab-)Bilder erzeugt.
Wer sich also ernsthaft, die Zeit nehmen möchte, tief in die historischen Verfahren und die dafür damals übliche und möglich Ausstattung hineinzulesen und sich nicht einfach nur in diversen Foren und Gruppen Quacksalbereien aneignen mag, dem sei empfohlen, sich tatsächlich erst einmal grundsätzlich theoretisch damit auseinanderzusetzen.

Atelier Hermann Krätzer – Dresden

Bei der Recherche zu alten Fotografien, passiert es oft, dass ich mich im Internet endlos verliere und im Nerd – Universum zahlloser Seiten zum Thema verschwinde. Gestern hatte ich vom Trödler einige alte Fotografien mitgebracht und habe sie wie immer eingescannt. Während der Scanner leise vor sich hin schnurrt, nutze ich meist die Zeit, um  Informationen zu den Fotos: Atelier, Zeitraum der Entstehung usw. zusätzlich zu denen, die ich aus Büchern bekomme, heraus zu finden.
So stieß ich also beim Eingeben der Suchbegriffe: Hermann Krätzer Dresden auf diese wunderschöne Seite, die versucht, weitreichende Informationen zu verschiedenen Ateliers und Fotografen bereit zu stellen. Die Seite bestätigte zunächst erst einmal die Existenz des Fotografen Hermann Krätzer und auch des Ateliers auf der Königsbrücker Straße mit einem Eintrag, der die gleichen Informationen enthielt, wie ich sie auf der Rückseite des Untersatzkarton des obigen Fotos fand. Zusätzlich war ein Zeitraum – ich nehme an, für die Entstehung des gelisteten Beispielbildes – vermerkt: 1905 – 1912. Nicht vermerkt, war der Zusatz: ‘gegenüber d. Hotel z. grünen Tanne’ und der Hinweis, dass es entweder eine Zweigstelle oder einen späteren Umzug des Ateliers gegeben haben muß, da das unten zu sehende Bild auf der Rückseite mit ’ Photografisches Atelier H. Krätzer, Rosenstraße 48′.
Neu hinzu kam die Fernsprechnummer 19 863. Wenn man bedenkt, dass es erst ab 1888 in Dresden möglich war, von öffentlichen Fernsprechern bzw. Postämtern zu telefonieren, das Telefon frühestens ab 1900 in Haushalten angekommen war, kann man sicher richtig  - nur aus diesen Informationen –  schließen, dass das obere Bild älter ist, als das untere.

Das Detail der Zeitung, welche dekorativ auf beiden Fotos in der Hand gehalten wird kam erst ab ca. 1900 als Accessoire in Mode. Die unterschiedliche Gestaltung der Rückseite der Untersatzkartons läßt ebenfalls Schlüsse auf den Entstehungszeitraum zu.

Ich habe noch ein wenig weiter geschaut und herausgefunden, dass der wohl bekannteste Lithograf, Paul Leinert aus Dresden die Rückseiten des Kartons (oben rechts) gestaltet hat. Und so kommt man dann vom Hundertsten ins Tausendste und möchte gern noch anfügen, das Paul Leinert ebenfalls ein Fotografisches Atelier hatte und nebenbei (Holz-) Reisekameras baute. Ein bekannter Fotograf, für den Leinert die Rückseiten lithografierte, war auch Hugo Erfurth  aus Dresden, Zinzendorfstrasse 11 .

Ach, ja.. das Hotel  ”Grüne Tanne”  besaß einen wunderschönen Hochzeits- und Gesellschaftssaal. Der Inhaber war Carl Schwiecker. Es stand zumindest bis 1916 noch.

Am Abend in der Dunkelkammer…

Zufällige und meist unfreiwillige Ergebnisse entstehen, wenn man die ‘Halbwertzeit’ bestimmter (Entwickler-) Chemikalien in der Dunkelkammer nicht beachtet.
So auch bei diesem Abzug, den ich vor wenigen Wochen am Ende eines Sonntages – also schon weit fortgeschritten in den Abend hinein – machen wollte bzw. so auch machte. Der Entwickler war eigentlich schon kaffeebraun, aber manchmal setze ich mir Dinge in den Kopf, die müssen ! an einem Tag geschafft werden und so zerrt und zerrt man an allen Ecken. Lange habe ich gebraucht, um einzusehen, dass man bestimmte Dinge nicht erzwingen kann und auch mal Schluß sein muß , wenn wirklich Schluß ist.

Vom Ergebnis des gesättigten Entwicklerbades war ich trotzdem sehr angetan, passt es doch sehr gut zur Aufnahme aus den 1930er Jahren, die eine Dresdnerin auf einer Schiffsfahrt  vor der kroatischen Küste zeigt. Es sieht so aus, als würden sich die Wellen des Meeres im Objektiv spiegeln und geben so dem Bild eine ganz besondere Heimlichkeit.
Den Urlaub verbrachte diese Dresdnerin mit Freunden und Familie in Dubrovnik. Damals hieß Dubrovnik noch Ragusa & gehörte schon zu Jugoslawien. Man fuhr mit einem offenem Adler Trumpf (einer Cabrio-Limousine) über Süddeutschland und Österreich zum Urlaub an die Adria, ließ sich auf Plätzen voll Tauben, neben Eseln und havarierten Postbussen fotografieren. Genoß die Aussicht aufs Meer, in welchem schon die Kriegschiffe lagen. Wanderte viel und erholte sich gut, damit man die restliche Zeit – wieder zurück in Deutschland – aufs Beste überstand. Die Urlaubsfilme ließ man anschließend bei Walter Höhne, Photo-Radio-Kino, Dresden A1 auf der Prager Straße 43 entwickeln und schön in einem blauen Ce-Nei Film Tresor verpacken.
Für einen Rollfilm mit 12 4 x 4 Aufnahmen zahlte man damals übrigens 3 Mark.

Cabinet Portrait

Erst kürzlich wieder hatte ich das Glück, genau rechtzeitig am richtigen Ort zu sein, um als Erste einen Blick in die gerade angelieferte Umzugskiste beim Lieblingströdler zu werfen.
In dieser Kiste lagen neben zahlreichen alten Alben auch diverse Taschen mit Negativen, Briefumschläge mit Korrespondenzen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit und eine  Pappkiste mittlerer Größe, die einen Stapel mit Fotos im Kabinettformat enthielt.

foto
Dieses Foto hat mich sofort berührt: die alte Dame mit ihrem schönen faltigen Gesicht, den wunderbar gütigen Augen und der – eine großbürgerliche Bildung verheißende – Zeitung auf dem Schoß… Es erinnert mich an ein Foto meiner Urgroßmutter großväterlicherseits, die mit fast gleichem Kleid und Haarfrisur lächelnd über dem Sofa im Wohnzimmer hing. Als Kind habe ich dieses Foto mit großem Respekt betrachtet, da Haltung und Kleidungsstil so überhaupt nicht in meine kindliche Vorstellung einer lieben Großmutter passten. Aber nach den zahlreichen kleinen und größeren Geschichten, die meine Mutter inzwischen ihren Urenkeln erzählt, sehe ich das natürlich anders.
Das Bild über dem Sofa meiner Großeltern stammt übrigens aus dem Jahr 1899 und überdeckt den vorher im gleichen Rahmen hängenden Kaiser Wilhelm II mit seinem Zwirbelbart.

Die Katze Pfefferminze

” Hans und Elfriede Pausenbrot nach dem Färben des weißen Felles ihrer Katze  Pfefferminze in rot und lila Tönen…”
Diese Einleitung für eine Geschichte zum obigen Bild, schlug meine aufmerksame und wie immer Pseudonym-liebende Freundin Rita K.(sprich: punkt) Schnatz bei einem schönen Glas kühlem Bier gestern Abend vor. Als ich sie völlig entgeistert ob dieser – doch schon dieses alte Ehepaar diskreditierenden – Phantasien anschaute, zuckte sie nur lässig die Schultern und fragte mich ihrerseits verwundert zurück, ob ich denn nicht die ganzen – in letzter Zeit sich häufenden – Anschlagzettel an diversen Bäumen im Karee gelesen hätte ? Nein, hatte ich natürlich nicht, weil ständig irgendwelche Leute ihre unerzogenen Hunde, verlaufenen Katzen oder das aktienbelastete Steiff – Spielzeug ihrer Spätgeborenen auf diese Weise suchten.
Und so erzählte mir Frau Schnatz wohlgesonnen, wie sie nun auf diese Sätze kam: in ungelenker und verstellter Schrift wird seit Tagen eine Katze mit lila bzw. rosa Fell – in Klammern: ursprünglich weiß – von einem Paar gesucht, welches den Zettel mit Elfriede und Hans P. unterschrieben hat. Als zusätzliche Beschreibung der Katze wird angeführt, dass sie recht klein und kuschlig wäre sowie auf Ansprache mit sexuellen Avancen reagiert. Angegeben ist natürlich noch eine Telefonnummer. Auf der Klarsichthülle hat jemand zusätzlich mit dickem Edding noch vermerkt:”Dies ist kein Scherz ;-) !!”. Da meine Freundin eine sehr Neugierige ist, begann sie sämtliche Zettel an Bäumen genauer zu studieren und bemerkte, dass auf diesen  sämtlichen Zetteln, die allerdings alle etwas unterschiedliches suchten, die gleiche Telefonnummer und der gleiche Name des Ehepaares stand. Stutzig geworden und kein Kind von Traurigkeit, rief sie eine der immer gleichen Nummern an und bekam einen völlig genervten jungen Mann an den Apparat, der seit Tagen von seiner Ex-Freundin mit ebenjenen fingierten Anschlägen mutwillig geärgert wird. Aus Anteilnahme hat sie sofort beschlossen, alle Zettel zu entfernen, um dem jungen Mann ein frühes Altern und sinnlosen Ärger wegen einer nichtsnutzigen Frau zu ersparen.
Vielleicht gelingt es ihm, in Zukunft eine Freundin zu finden, mit welcher er im Alter genauso gemütlich auf einer schattigen Bank im Walde sitzen kann, wie  dieses Ehepaar auf dem obigen Foto..